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Holzkohle

...gemacht von Bruno, dem letzten Köhler in unserer Region

Die Gemeinde Santa Luce ernannte und finanzierte im Jahr 2007 einen ihrer Angestellten als Nachfolger für eine ganze Saison mit Bruno, um dessen Handwerk zu erlernen. Der Enthusiasmus war damals sehr gross. Leider blieb es dabei! Die Meinung der Gemeinde war jährlich 1 bis 2 Meiler zu erstellen und den Schülern und Bewohnern der Umgebung zeigen zu können wie Holzkohle entsteht.



Bruno freut sich offensichtlich über unseren Besuch bei ihm. Ich will sehen, wie Holzkohle entsteht. Den jeweils richtigen Zeitpunkt der wichtigen Daten nicht zu verpassen wird allerdings schwierig sein. Da hängt vieles vom Wetter, der Kraft und etwas vom "goodwill" Brunos ab. Leider ist Bruno in unserer weiteren Umgebung "der letzte seines Standes"! Er ist bereits weit über 70 und hat vorletztes Jahr schon gesagt, dass "dies" sein letzter Meiler sein würde.....


Es wurde extra ein schöner Picknick Platz mit Grill, Tischen & Bänken erstellt. Ein Fussweg wurde zur befahrbaren Strasse hergerichtet und der neue Köhler erhielt eine komfortable Hütte und viel Platz für den Meiler. Aber der "Junge" meinte dann bald einmal: "Troppo fatica", und ward seither nicht mehr gesehen. Bruno indessen war so frustriert, dass er mitten im Wald, wir fanden ihn nur per Zufall, den von mir gezeigten, wahrscheinlich letzten Meiler errichtete. Um zu ihm zu gelangen erforderte viel Glück und Kondition. Bloss ein sehr schmaler Weg führte dort tief durch den Wald zu ihm!


Ein Meiler entsteht in mühseliger Handarbeit. In diesem Meiler sind etwa 35 bis 40 Tonnen Holz gestapelt!

Es wird etwa 60% Erdbeerbaumholz Arbutus nedo verwendet. Der Rest ist Erika Erica arborea & Erica multiflora, Steineiche Quercus ilex und sowas wie Esche. Alles was eben in den toscanischen Wäldern so wächst.


Akribisch genau ist das frische Holz geschichtet. Ein Kunstwerk an und für sich, denn es darf beim "abbrennen" nicht zusammen brechen, und wenn, dann nur ganz langsam. Auch muss die Frischluft im Innern kontrollierbar sein.

Zum Schluss wird alles mit Erde, Grasnaben und anderem Grünzeug abgedeckt. Der Anfang ist hier bereits gemacht.


Feuchte Grasnaben, feuchtes Laub und alles was nicht sogleich verbrennt dichtet das Ganze gegen Wind und zuviel Sauerstoff ab.

Es darf im Innern nie brennen, sondern nur kontrolliert "motten", sonst entsteht Asche, und die kann Bruno nicht verkaufen.


Ich durfte mal ganz rauf um den "Kamin" zu fotografieren. Der Meiler hielt mein stolzes Gewicht ohne Schaden zu nehmen gut aus. Ein "erhebendes" Gefühl, hier oben zu stehen....


Bruno kontrolliert immer wieder, wo der Meiler noch nicht so "perfekt" ist. Nicht wegen dem Aussehen, sondern wegen der Gleichmässigkeit der Holzschichten und deshalb auch wegen der Stabilität!


Bruno schneidet die letzten Hölzer mit denen er die Korrekturen anbringt.


Dann verfüllt er noch die letzten "Löcher und Dellen" mit den zugeschnittenen Stücken im Holzstapel.


Akribisch genau nimmt er es damit. Er erklärt mir, dass sich diese Arbeit vorher mehr als auszahlt. Denn wenn der Meiler erst mal brennt, kann man daran nichts mehr korrigieren. Wenn der Meiler dann nicht richtig und gleichmässig "kokelt" oder gar zusammenbricht, wäre die ganze bisherige Arbeit für die Füchse gewesen.
Oben in der Mitte sieht man den "Kamin".


Jetzt ist alles nach Brunos "Gusto" und es kann mit dem zudecken des ganzen Meilers begonnen werden. Einige Tage dauerts wohl noch bis angefeuert werden kann, denn Regen ist für die nächsten Tage angesagt. Sowas kann der Köhler natürlich nicht gebrauchen. Er braucht, für diesen Meiler, mindestens 8 Tage trockenes Wetter.
Wenn der Meiler erst mal "brennt" und Regen kommt, muss sofort der ganze Meiler auseinander gerissen werden. Wäre also wieder alles "für die Füchse" gewesen.... Ein hartes, entbehrungsreiches Leben...!


Klar habe ich es verpasst, wie der Meiler unter Feuer genommen wurde. Der Wetterbericht vermeldete Regen - Brunos Knochen meldeten: Alles im grünen Bereich!

Bruno hatte recht! Der zugedeckte Meiler "kocht" und "schrumpft" bereits seit 4 Tagen. Da wo es nicht mehr raucht, wäre die Holzkohle bereit. Da wo es noch raucht, "köchelt" das Holz noch weiter und wird zu Holzkohle.


Bruno hat eine kleine Pause eingelegt und ein Glas "Roten" mit uns zusammen getrunken. Morgen gegen Mittag soll die Holzkohle zur 'Ernte' bereit sein.
Wir hoffen, dass wir zur richtigen Zeit dort sein werden können.


Bruno hat seit 4 Tagen fast nichts mehr geschlafen, und wenn, dann direkt am Meiler. Bei stärkerem Wind muss er sofort die Erde verteilen und die Luftlöcher verschliessen. Sonst würde die Holzkohle verbrennen. Dazu klettert Bruno mit dicken Holzschuhen auf der Leiter auf den über 90° heissen Meiler und zieht mit dem Rechen die Erde nach oben zusammen.


Ein Mal am Tag bringt ihm seine Frau ein warmes Essen und alles was er am Tag zuvor bei ihr bestellt hat. Er kann ja momentan nicht weg von hier!


Am 6. Tag raucht der Meiler immer noch auf der einen Seite. Dies bedeutet, das da immer noch Holz zu Holzkohle wird. Erst nachdem der Meiler komplet aufgehört hat zu rauchen, ist die Kohle bereit.


Mit diesem Holzrechen zieht Bruno die Erdschicht von Zeit zu Zeit von unten nach oben auf den Meiler. Dies damit alles bisher verkohlte Holz nicht mehr weiterglimmt und auch damit der Haufen nicht zusammenfällt.


In der oft langen Wartezeit "zimmert" Bruno allerlei Werkzeug das er immer mal wieder braucht. So auch diesen Holzrechen um die heisse Holzkohle aus dem noch heisseren "Dreck" der Ummantelung zu ziehen.


Ein "Muster" wurde gezogen. Die erste noch sehr heisse Holzkohle!
Damit sie nicht mehr weiterglimmt, bespritzt sie Bruno fein mit einem "Besen" aus Erika und Wasser. Er nennt dies schalkhaft lächelnd "benedire" (segnen).
Die Nacht war da..., und Bruno war frustriert! Noch immer glimmt das Holz im Meiler. Dies bedeutet für ihn, wieder zudecken & nochmals einen Tag warten. Aber die schon abgekühlte Kohle ist perfekt verkohlt!
Beim aneinanderschlagen zweier Stücke tönt es wie beim Zuprosten mit 2 Gläsern... "Cin cin!"


Nach 7 Tagen: Der Meiler hat erst heute Morgen 02:30 Uhr aufgehört zu rauchen. Zum Abdecken ist er demnach immer noch viel zu heiss. Die Temperatur auf dem Meiler ist noch immer über 80° und muss noch weiter abkühlen. Die Gefahr bestünde sonst, dass die Kohle durch den Sauerstoff sofort Feuer fangen, und so unbrauchbar würde. Man spürt die Temperatur noch gut in 2 Metern Abstand. Der Meiler muss noch stärker abkühlen. Er wird jetzt auch merklich kleiner.


In der Nacht von 21:30 - 03:00 wurde die erste bereits abgekühlte Holzkohle aus dem Meiler gerecht. Der Rest, etwa die Hälfte, wurde wieder mit Erde zugeschüttet und angehäufelt, damit diese dann noch mehr abkühlen kann.

...und alles ist mit schwarzem, feinem Kohlenstaub bedeckt...


Das ist Brunos verwaistes "Wohnzimmer"! Sauber und gemütlich.... Heute waren wir zweimal bei ihm. Das erste Mal hat er geschlafen, er war die ganze Nacht am "Kohle ernten". Beim zweiten Mal haben wir lange zusammen geplaudert und einen sehr guten "Weissen" getrunken! Da hab ich keine Bilder mehr gemacht..., aber gelernt, dass man bei Dunkelheit eben viel besser eine noch vorhandene Glut in der Kohle feststellen kann.


Da liegt die Ausbeute der letzten Nacht....


Rund um den Meiler wurde die frische Holzkohle deponiert. Aus dem ganzen Holz vom Anfang entstanden so nun etwa 1500/1800 Kilo allerbeste, feine Holzkohle. Jetzt weiss ich auch warum die Holzkohle so schwarz ist! Die ganze Arbeit findet meistens in der Nacht statt.... ;-))

Da blieb nur noch die Holzkohle in Säcke abzufüllen und dann zu verkaufen!
Aber Kunden hat er schon mehr als genügend dafür!


Schade, war dies das letzte Mal, dass er einen Meiler baute! Aber wer weiss? Habe gehört, dass er das schon mehrmals kundtat...! Und wenn er jetzt durch diesen Bericht sogar "weltweit" berühmt wird, wer weiss....
Jedenfalls kreuzte er etwa 3 Wochen später mit seiner dreirädrigen "Vespa" bei uns auf! Darauf geladen war ein grosser, blauer Sack voller Holzkohle!


Es hat mich gefreut, Dir diese Geschichte aus der Toscana zeigen
und von unserem letzten Köhler in der Gegend erzählen zu dürfen!

Grazie caro Bruno, l'ultimo carbonaio vero della nostra regione!


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