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Sprachpolizei in der Schweiz!

 

Sprachirrsinn kämpferischer EmanzInnen

Bern, den 04.Juni 2010
Der Europarat will Mutter und Vater abschaffen, titelte gestern Welt online. Europa-Bürokraten wollen unsere Sprache verschandeln, wetterte Bild. Schuld sei besonders die Schweizer SP-Nationalrätin Doris Stump, die im Europarat gefordert habe, dass Frauen nicht mehr als passive und minderwertige Wesen, Mütter und Sexobjekte dargestellt werden. Grund: Diese sexistischen Rollenbilder seien für die Geschlechtergleichheit hinderlich.
Die rotgrüne Stadtregierung von Bern sorgte sich daraufhin umgehend für den politisch korrekten Sprachgebrauch. Sie will deshalb schnellstens "Nägel mit Köpfen" machen! Fussgängerstreifen ist aus Sicht der Berner Regierung keine geschlechtergerechte Formulierung und sollte tunlichst vermieden werden. Stattdessen sollen die städtischen Angestellten künftig das Wort Zebrastreifen verwenden. Das geht aus dem Sprachleitfaden für die Stadtverwaltung hervor, den die Exekutive am Donnerstag veröffentlichte. Auch Mannschaften sind ab sofort verpönt: Dem Personal der Bundesstadt wird nahegelegt, stattdessen Team oder besser Gruppe zu schreiben. Der Anfängerkurs heisst jetzt Einstiegskurs und sollte nicht anwenderbezogen sein, sondern anwendungsbezogen.
Der zwölfseitige Leitfaden sei für die Stadtverwaltung verbindlich, heisst es in einer Mitteilung. Wer sich nicht daran hält, wird wohl Ärger beim Mitarbeitergespräch kriegen. Pardon: Beim Beurteilungsgespräch, wie es neu heisst. Ziel ist die Gleichstellung von Mann und Frau! Mit dem Wort Fussgängerstreifen sind nur die Männer gemeint, Zebrastreifen dagegen sei ein neutraler Begriff, sagt Nadine Wenger, Projektmitarbeiterin bei der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann in Bern... Weitere Wörter wie Anfängerkurs und Führerausweis stehen auf dem Index. Unser Ziel ist die Gleichstellung von Mann und Frau. Und dazu gehört eben auch eine geschlechtergerechte Sprache!

Der Chefredaktor der grössten deutschen Sprachzeitung, Deutsche Sprachwelt, schreibt hierzu: Haben Sie schon einmal schwarz-gelb gestreifte Zebras gesehen? Doch, diese Tiere gibt es scheinbar tatsächlich. Es handelt sich dabei um eine Tierart, die erst kürzlich von der Berner Stadtverwaltungen entdeckt wurde. Verbreitet ist sie jedoch bereits in der ganzen Schweiz. Die Sprachpolizei in der Schweizer Bundeskanzlei macht's möglich. Diese Übergänge sind in der Schweiz in der Regel mit gelben Streifen auf schwarzem Strassenbelag markiert und erinnern eher an das Muster einer Wespe als an die schwarz-weissen Steppenpferde. Deshalb hiessen die Überwege bislang nicht "Zebrastreifen", sondern "Fussgängerstreifen". Dieses Wort alarmierte dann die Sprachpolizei der Bundeskanzlei.

Nadine Wenger, Projektmitarbeiterin bei der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann in Bern, fiel es wie Schuppen von den Augen: "Mit dem Wort Fussgängerstreifen sind nur die Männer gemeint!" Manche Frauen fühlten sich benachteiligt: "Wenn man es genau nimmt, ist es eine Diskriminierung." Sofort wurde ein Leitfaden zur Gleichstellung von Mann & Frau, pardon - umgekehrt, in der Sprache entworfen und verteilt. Die Berner Zeitung schreibt: "Der Leitfaden hat Schweizweit hohe Wellen geworfen und für viel Spott gesorgt. Nun kritisiert auch die Stadtberner FDP in einer dringlichen Interpellation die geplanten Änderungen. Der Gemeinderat gehe offenbar von einem veralteten, unzeitgemässen Frauenbild aus. Gerade modernen Frauen sei dieser Leitfaden aber eher peinlich."

Auch in der Fragestunde des Bundesrats sorgt die verkrampfte Sprachpolizeiaktion für Kopfschütteln: Nationalrätin Natalie Rickli (33) will vom Bundesrat in der Fragestunde vom 14. Juni 2010 wissen: "Finden Sie nicht auch, dass die Gleichstellungsbüros überflüssig geworden sind, wenn sich ihre Angestellten mit solchen Themen beschäftigen?"

Und dass "Männedorf", "Frauenkappelen" und "Herrliberg" schon kurz vor der Zwangsumbenennung in "Elterdorf", "Elterkappelen" und "Elterberg" stehen, freut zwar sicherlich   Sehr umstrittene Sozi ex-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, die sich seit Jahren für vermeintlich geschlechtergerechte Sprache kämpferisch einsetzt, aber nicht den Gesamtbundesrat! Herr Bundesrat Didier Burkhalter sagte sofort zum Thema: "Wichtig ist, wie man über die Strasse läuft und nicht ob man Zebra- oder Fussgängerstreifen sagt."

Nachtrag:

Dabei existiert so ein "Leitfaden" beim Bund schon seit 1996! Du kannst die neueste Version unten auf der Seite als PDF Datei herunterladen. Das Original gehört der Schweizerischen Bundeskanzlei in Bern

 


LeserInnen Briefe...

...einige vom Blick:

Und einige der Berner Zeitung:

 

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